Archiv für den Monat: März 2015

Fachwerk – ich hab’s ja gewusst….

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Ja, von außen sieht man ja, dass das Fachwerk ist. Warum dachte ich, das wäre nicht durchgehend? Natürlich ist das durchgehend.

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Das Hellblaue ist das ursprüngliche Gefache, das Dunkelgraue der Putz drüber – bzw der Fußstreifen – und das weiße ist der moderne Putz darüber. Und das rechts sind zwei unterschiedliche Schichten Rohrmatten auf den Balken. Damit der alberne Putz hält. Was er sowieso nicht tut, weil sich Gefache nunmal bewegen. Das ist ja der Gag an Gefachen. Also: Runter mit dem Mist.

Über die Schwierigkeit, einen Ofen aufzustellen

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Das Tresorzimmer war ja schon immer die „gute Stube“ des Hauses. Die jetzige Küche hatte noch bis in die Vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts keinen Boden, sondern nur gestampften Lehm oder sowas als Fußboden. Und das Fiasko mit dem Kamin auf dem Holzfußboden habe ich ja schon beschrieben. Heute habe ich die ganze Story erfahren. Denn wir hatten ja beim Rausnehmen des Bodens festgestellt, dass auch in der anderen Zimmerecke mal ein Ofen gestanden haben muss. Als die den Ofen seinerzeit aufstellen wollten, musste ein Loch für das Ofenrohr geschaffen werden. Logisch: Machen wir ein Loch in die Wand. Wie man hier in Bildmitte sieht, hat jemand bereits damit angefangen, ein Loch zu machen. Als er schon halb durch die Wand war, hat ihm offensichtlich jemand erklärt, dass das keine gute Idee ist, ein Riesenloch in eine tragende Außenmauer zu machen.

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Also machen wir ein Loch in die Innenmauer:

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Die Idee war bestechend. Auf der anderen Seite war ein kleines Fenster, da kann man das Rohr gleich zum Fenster raushalten. Auf die Dauer hat sich das aber nicht bewährt. Erstens sah das im anderen Zimmer nicht tolle aus – und das mit dem Zug war auch nicht so überragend.

Also kam als nächstes die Idee mit dem Kamin. Das war aber auch ziemlich doof, weil man durch das Zimmer drüber den Kamin durchführen musste. Außerdem stellte sich raus, dass das mit dem Kamin auf dem Holzboden auch keine tragfähige Lösung auf Dauer ist – zehn Meter Kamin auf einem Holzboden….  Wobei – tricky war das schon, denn man konnte das Zimmer dahinter auch heizen, wenn man ein Loch in die Wand machte und von der anderen Seite das Ofenrohr reinschob. Aber wie gesagt – auf Dauer macht so ein Konstrukt Risse….. Also weg damit.

Neue Lösung: im Zimmer auf der anderen Seite einen Kamin bauen, den diesmal richtig, mit Fundament und Putztürchen und so. Und ein Loch in die Wand für’s Ofenrohr.

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Mancher Schweizer Käse hat weniger Löcher als diese Wand.  Aber da fällt mir was auf:

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Das sieht aus, als wäre da irgendwas über was anderes drübergeputzt – und es sieht nicht so aus, als wäre das sonderlich stabil.

Die Asche… und Postmeister Jacob Quack

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Das hier ist das alte Fensterbrett im Tresorzimmer. Sieht jetzt nicht so spektakulär aus.  Aber wenn man genauer hinkuckt:

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Asche unter dem Fensterbrett. Hat’s da gebrannt? Nö. Viel simpler: Auch hier dient die Asche dazu, das Faulen des Fensterbrettes zu verhindern.

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So, nachdem einen ganzen Haufen Putz runter ist, sieht das jetzt so aus. Was man überall findet ist das hier:

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Stroh. Teilweise Reste von der früheren Isolierung zwischen Boden und Fehlboden, teilweise von Mäusen verschleppt und teilweise simpel auch Reste des Strohs, das am Dachboden gelagert war.

Mittlerweile ist auch klar, wann genau der Dachstuhl gebaut wurde: Etwa 1666. Denn beim entfernen loser Steine am Dachhauptbalken habe ich eine alte Postkartusche des Amsterdamer Postmeisters Jacob Quack gefunden – der heißt wirklich so, und ist in Amsterdam sowas wie ein Nationalheiliger – und der ist 1666 mit Mann und Maus mit seinem Schiff im Ärmelkanal untergegangen. Für Thurn und Taxis war das ausgesprochen praktisch, weil van Quack drauf und dran war, das Postmonopol von Thurn und Taxis zu pulverisieren.  Eine Postkartusche ist übrigens eine Art Papierrolle aus Hadernpapier, in der die Post eingerollt wurde. Die Rolle wurde versiegelt und besaß das Wappen des Postmeisters.  Wer an die Post ranwollte, musste die Kartusche aufreißen. Und hier an dem Balken war eben die Hälfte einer solchen Kartusche verbaut. Aus welchen Gründen wissen natürlich die Götter.

Barockdecke

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Ok, das hat mit einer Barockdecke nichts zu tun. Das sind zwei Leute von Rödl, die Fußbodenheizung und Sanitär verlegen.

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Und das ist das ultramoderne Zeug, das ich in den alten Schuppen reinbauen lasse…

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Womit ich bei der Barockdecke bin. Das hier soll eine solche sein. Gewesen sein. Nein. Nur eines ist verdächtig: Die verwendeten Nägel sind geschmiedet. Aber die gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein. Denn eines ist sicher: „Original“ ist da nichts. Das Gewölbe dürfte das gleiche Datum wie diese Decke hier haben. Ursprünglich waren diese Balken nämlich offen.

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So sieht der Deckenaufbau von nah aus. Das Stroh ist von oben auf die Latten gelegt worden und dann von oben mit Kalkputz beworfen. Und von unten. Das mit dem Kalkputz hatten wir ja schon – je mehr Kalk im Putz, desto neueren Datums ist der Putz.  Hier haben wir mal eine Ansicht, wie’s ziemlich original aussah:

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Der Kamin, der hier davorstand war mit dem gleichen Putz wie die Decke gemacht. Und oben zwischen den Balken sieht man, wie das mal aussah: Offene Balken, die Wand bis zu den Bodenbrettern darüber verputzt. Und sowohl Balken als auch die Wand dazwischen waren braun gestrichen. Auch hier sind noch Haken in den Balken, an denen mal was hing. Fazit: Die Barockdecke war nicht aus dem Barock, sondern aus dem Biedermeier. Ok – in anderen Häusern ist sowas uralt und unbedingt zu erhalten. Hier ist es Neubau und Pfusch. (Zur Erinnerung: Der Kamin stand auf dem Holzfußboden.)

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Da sieht man ein Stockwerk höher….

 

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Und das hier ist der Rest der Decke.  Die Balken werden wieder freigelegt und dazwischen ein Fehlboden eingezogen.  Das ist für mich ein Kompromiss zwischen Originalität und Schalldämmung.  Früher konnte man durch die Astlöcher von der Gesindestube in die gute Stube kucken – und man sah wechselseitig, wenn einer noch ne Kerze anhatte. Das macht sich zwar gut in alten Märchen, muss man jetzt aber nicht mehr haben…..

Und noch ne Leiche…

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Das ist der Küchenboden – oder das, was davon übrig ist. Muss raus, da soll dann später die Fußbodenheizung rein – und dafür muss die alte vorher raus. Und natürlich soll da auch die Dusche montiert werden…

Und hier das Foto des Tages:

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Was man nicht so alles unter Spanplatten findet. …. Ich habe den vorherigen Bewohner des Zimmers gefragt, ob ihm das nicht aufgefallen ist…. doch, hätte etwas streng gerochen….

 

Überraschung – oder doch nicht?

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Das ist die ehemalige Küche, die zum Bad werden soll. Die Fliesen sind schon weg.

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Das Tresorzimmer – eine Schraube ohne Ende. Je mehr man stochert, desto fragwürdiger wird das. Um das Fenster links herum sind mehrere Schichten Putz mit farbigen Streifen abgesetzt. Sieht gut aus. Sollte eigentlich bleiben. Wir dachten das wäre alt. Nope.

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Hier habe ich außen um das Fenster losen Putz abgekratzt. Darunter kam grauer Putz zum Vorschein. Eigentlich weißer Putz. Mit schwarzen Punkten. Schimmel. Die Helden hatten seinerzeit über den Schimmel einfach drübergeputzt. Das hat den Schimmel nicht wirklich beeindruckt. Grund für den Schimmelbefall: Falscher Putz. Weg damit. Sämtliche Fensterlaibungen mit den ach so dekorativen, farbigen Streifen drüber. Anfang bis Mitte 20. Jahrhundert.  Ich hab’s fotografiert und dokumentiert – ab in den Schuttcontainer.

Noch n‘ Fenster.

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Im letzten Post habe ich es schon angedeutet: Schauen wir mal, dann sehen wir schon. In diesem Fall: Eine Ziegelmauer, dahinter ein Hohlraum, und wieder eine Ziegelmauer.

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Siehe da, sogar der Putz der alten Fensterlaibungen ist noch vorhanden.  Wie man sieht wurde das nicht mit Vollziegeln zugemauert, sondern mit Hohlziegeln. Ein kurzer Quercheck zu einem alten Foto: Ja. Hier war mal ein hohes, schmales Fenster. Und direkt daneben auch, aber das wurde in den 50ern zugunsten eines großen, „modernen“ Fensters rausgeworfen und der gewölbte Sturz durch einen modernen Betonsturz ersetzt. Der Vorbesitzer hat dann das moderne Fenster wieder raus und durch ein quadratisches mit großer Laibung ersetzt.  Na, so haben wir schlußendlich drei Fenster in der Wand. Da mir das Fenster da aber überhaupt nicht passt – und ich ansonsten das andere Fenster auf den alten Stand (welchen?) zurückbauen müsste, damit das wieder gut aussieht,  lasse ich das jetzt so:

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Die Ziegelmauer wird verputzt, ich baue ein Fensterbrett rein und dann ist Ruhe. Ich kann ja das Bild eines Fensters mit Landschaft dahinter an die Wand kleben. Und je nach Jahreszeit wechseln…